Ein Tablet für bessere Prüfungsresultate

Foto Juventus-Maturitätsschule-digitaler Unterricht

Die MPAs zeigen, wie’s geht. Die Lerninhalte der Juventus Schule für Medizin sind künftig in digitaler Form verfügbar. Rektor Richard Münger spricht im Interview vom ambitionierten Pilotprojekt und der qualitätsfördernden Entlastung der Lehrpersonen – mit verbesserten Erfolgsquoten.


 
Richard Münger, Unterrichtsinhalte sind künftig konsequent in digitaler Form verfügbar. Was bedeutet das konkret?
Digitale Medien werden den gegenwärtigen Unterricht ergänzen und bereichern. Bereits jetzt sind diverse E-Books im Einsatz. Zusätzlich erstellen wir elektronische Übungsaufgaben und Prüfungen. Vorläufig ist das Pilotprojekt auf die Grundausbildung der Medizinischen Praxisassistentinnen (MPA) beschränkt. Dies deshalb, weil verschiedene Systeme weiterentwickelt werden müssen, um die Benutzung so einfach wie möglich zu gestalten.

Wird die Lehrperson auch digitalisiert?
Ganz im Gegenteil, Menschen spielen nach wie vor eine zentrale Rolle im Unterricht!

Weshalb wurde gerade die Grundbildung der MPAs für das Pilotprojekt ausgewählt?
Im Zusammenhang mit der neuen Bildungsverordnung bot sich uns die Chance, eigene Lehrmittel nach dem neuen Konzept zu erstellen. Wir haben sie gepackt und bereits jetzt einige Lehrmittel entwickelt, die bald elektronisch verfügbar sein werden.

Und die Übungen?
Gleich auch die dazu passenden elektronischen Übungen zu konfektionieren, lag nahe. Für die Lernenden wird permanentes Üben nach wie vor zentrales Lernelement bleiben. Mit den neuen Medien erweitern wir die Übungsfelder und machen diese leicht zugänglich.

Ändert sich dadurch die traditionelle Unterrichtsführung?
Der Unterricht an sich ändert sich nicht radikal. Die guten Ergebnisse bei Abschlussprüfungen zwingen uns auch keinen Kurswechsel auf. Im Zentrum stehen nach wie vor die Persönlichkeit der Lehrperson und ihr Austausch mit den Lernenden.

Was sind die Vorteile gegenüber herkömmlichen Lehrmitteln?
Die liegen auf der Hand. Durch E-Books beispielsweise haben die Lernenden deutlich weniger Material zu tragen als bislang. Hinzu kommt, dass sie die Lehrmittel immer bei sich haben. Zudem greifen sie auch ausserhalb des Schulzimmers häufiger zu den Lehrmitteln, da sie überall verfügbar sind. Ein Tablet kann ins verlängerte Wochenende mitgenommen werden.

Kaum jemand würde hingegen Schulbücher übers Wochenende in die Berge mitschleppen …
Das stimmt. Das Tablet schon eher! Einen weiteren wesentlichen Vorteil bieten die elektronischen Übungen. Permanent verfügbar, bilden sie nicht bloss eine zusätzliche, ortsunabhängige Übungsplattform, sondern beinhalten auch Lösungswege und Erklärungen. Mit gedruckten Lehrmitteln lassen sich diese Vorteile kaum erzielen.

Wie werden Lernende und Lehrpersonen in diesen Prozess eingebunden? Wo profitieren sie direkt?
Indem das Lernen generell transparenter wird. Lernende und auch Lehrpersonen können die Lernfortschritte individuell mitverfolgen. Lernende erhalten Aufschluss über ihre Entwicklungsschritte und Lehrpersonen können individuell fördern. Elektronisch unterstütztes Lernen wirkt auch nachhaltiger, da die Wiederverwendung von Übungen praktisch uneingeschränkt möglich ist. Dazu ermöglichen Multimedia eine anschauliche Visualisierung von Problemstellungen und deren Lösungen.

Sind Lehrpersonen in die Erstellung von Übungen eingebunden?
Ja, Übungen machen dann Sinn, wenn sie optimal mit den Unterrichtsinhalten verknüpft sind. Die in den Übungen gegebenen Erklärungen entlasten zudem von längeren Übungsbesprechungen während des Unterrichts. Mit dem Gesamtpaket lässt sich der Unterricht also auch abwechslungsreicher gestalten.

Wo liegen allfällige Grenzen bei der Digitalisierung des Unterrichts?
Die Grenzen sind schwer absehbar! Zentrales Element des Unterrichts wird aber auch in Zukunft die Persönlichkeit der Lehrperson bleiben.

Und die Risiken?
Etwa im möglichen Missbrauch von Tablets für Unterhaltung jeglicher Art während des Unterrichts. Für viele Lernende ist ausserdem der Einsatz von Smartphones und Tablets als effizientes Arbeitsinstrument etwas Neues. Das muss zuerst einmal erlernt werden.

Was werden Sie gegen Missbräuche tun?
Um gegenzusteuern, können einfache, knappe, jedoch sinnvolle Regeln und Vereinbarungen dienen. So müssen alle Beteiligten den Datenschutz sehr ernst nehmen und auch bedingungslos einhalten. Nicht zu unterschätzen ist, dass jede elektronische Plattform eine recht aufwendige Infrastruktur benötigt, welche natürlich auch Kosten verursacht.

Was sind die markanten Meilensteine auf dem Weg zur vollständigen Umsetzung im Jahr 2022?
Zunächst geht es ums Einrichten der Lernplattform OpenOlat. Dies sollte bis Oktober 2017 erfolgt sein. Wir arbeiten dazu eng mit der Entwicklerfirma Frentix zusammen. Parallel dazu erhalten die Fachgruppen und/oder einzelne Lehrpersonen Aufträge, um fachspezifische Inhalte zu entwickeln. Eine anspruchsvolle Aufgabe, welche ein enges Zusammengehen von Schulleitungen, Fachgruppenleitungen und Lehrpersonen erfordert. Bis August 2019 sollte ein erster ansehnlicher Grundstock geschaffen sein und bis 2022 müssen Grundlagen in sämtlichen Ausbildungsbereichen vorliegen. Diese Inhalte werden dann kontinuierlich ausgebaut.

Die Technologien werden sich schnell weiterentwickeln …
Genau, weshalb wir auf erzwungenen Anpassungen gewappnet sind. Bei diesen Entwicklungen wollen wir am Ball bleiben.

Geplant ist der Einsatz der elektronischen Lernplattform für die gesamten Juventus Schulen. Welche Chancen eröffnen sich den Schulen dadurch?
Schulintern wird sich eine noch engere fächerübergreifende Zusammenarbeit zwischen den Lehrpersonen ergeben. Gewisse Inhalte müssen dann nicht mehr individuell erstellt, sondern können gemeinsam genutzt werden. Zudem schaffen die elektronischen Übungen eine zeitliche Entlastung im Unterricht.

Wofür soll dieser Zeitgewinn genutzt werden?
Für mehr individuelle Betreuung der Lernenden durch die Lehrpersonen. Somit ergibt sich auch eine engere Zusammenarbeit zwischen Lehrenden und Lernenden. Vor allem wenn breit gestreut auch elektronische Prüfungen verfügbar sind, kann die Zeit für Prüfungskorrekturen nun anderweitig genutzt werden – beispielsweise für das kreative Entwickeln von spannenden Übungsinhalten –, wovon dann wiederum die Lernenden profitieren. Ein Gewinn für alle Beteiligten!

Wie lautet die Vision für den Unterricht an den Juventus Schulen nach 2022?
Für die Schule ist es unabdingbar, immer am Puls der Zeit, also innovativ, zu bleiben, neue Wege zu gehen und möglichst die Nase vorne zu haben.

Ein vollständig digitalisierter Unterricht?
Keineswegs: Ich stelle mir vor, dass die Lernenden mit den zusätzlichen Instrumenten mehr Eigenverantwortung für den Lernerfolg übernehmen werden. Durch transparente Kontrollinstrumente können die Leistungen und damit auch die Erfolgsquoten verbessert werden. Die Lehrpersonen werden von immer wiederkehrenden administrativen Lasten teilweise befreit und können sich vermehrt ihren Förder- und Betreuungsaufgaben widmen. Sie werden also entlastet, um sich vermehrt ihren eigentlichen Kernaufgaben widmen zu können. Damit steigt nicht nur die Freude am Unterrichten, sondern auch die Unterrichtsqualität und die Erfolgsquoten gehen nach oben.

Vielen Dank fürs Gespräch, Richard Münger!