Traumjob? «Schriftsteller sind zum Lügen angestellt!»

Lesung Juventus Charles Lewinsky

Charles Lewinsky las passend zur Adventszeit aus dem Roman Der Teufel in der Weihnachtsnacht. Doch wer Sentimentalität und Kitsch erwartete, lag völlig falsch: Der Roman um den Papst und die Kirche ist eine sehr unterhaltsame Lektüre – und eine teuflische Satire. Denn der Pontifex bekommt an Weihnachten vom Teufel Besuch und wird auf eine Spritztour eingeladen. Quer durch Europa tanzt Luzifer auf seinem Ferrari dem Papst Vorschläge für Innovationen in der alten Kirche vor.

Der Autor erzählte am Anlass an der Lagerstrasse, er habe sich beim Verfassen des Romans amüsiert:  «Ab und zu macht es Spass, eine Geschichte zu schreiben, für die man nicht recherchieren muss, sondern bei der sich die eigene Fantasie austobt. Ich habe mir vorgenommen, immer zwischen zwei ‹schweren› Büchern ein Fantasiebuch zu schreiben oder eine Fantasieform auszuprobieren – etwas total Wahnsinniges. Und das tut richtig gut, es ist wie eine Erholung!»

Und wo findet er seine Inspiration? Der Autor meinte, dass es zwei Fragen gebe, auf die man nicht antworten könne: «Wie entstand das Universum, und wo finden Sie Ihre Ideen? Ich habe keine Ahnung und muss es eigentlich auch nicht wissen … Sowieso: Schriftsteller sind zum Lügen angestellt – genau wie Politiker, da erwartet man auch nicht die Wahrheit. Es ist unser Job, Geschichten zu erfinden, die nicht stimmen. Denn die Geschichten, die stimmen, die kennen die Leute ja schon!»

Die zahlreichen Gäste im Schulzimmer der Juventus Woodtli waren köstlich amüsiert von der humorvollen und teilweise bitterbösen Lektüre. Und während der lebendigen Diskussion mit Moderator Urs Bühler, Redaktor der Neuen Zürcher Zeitung, wurden die verschiedensten Themen besprochen: Hämorrhoidenpreise («So nennt man in der Branche Karriereauszeichnungen!»), Fortsetzungsromane in der Weltwoche («Ein Flop, ich habe keinen einzigen bösen Leserbrief erhalten!»), Neuformulierungen («Sobald die Politik Neologismen verwendet, ist jemand am Lügen»), Demokratie («Man darf den Wähler nicht mit Inhalten verwirren!») oder Schulreisen («Liegt Christoph Mörgeli im SVP-Mausoleum neben Christoph Blocher?»).

Stephan Ogg bedankte sich im Namen der Juventus-Geschäftsleitung für die äusserst gelungene Lesung und kündigte die Weiterführung der Reihe im neuen Jahr an. Man kann sich also schon jetzt auf spannende Abende mit prominenten Autoren im Jahr 2016 freuen.

Sie können ein vom Autor signiertes Exemplar von «Der Teufel in der Weihnachtsnacht» gewinnen, wenn Sie uns eine E-Mail an info@juvenews.ch senden. Wenn Sie schnell antworten und der erste Einsender oder die erste Einsenderin sind, können Sie diesen Lesespass gewinnen.