Die neuen Wege zur Unterrichtsqualität

Bild Die neuen Wege zur Unterrichtsqualität

Der Einzug neuer Lernmedien ist ein unaufhaltsamer und sich selbst beschleunigender Prozess, der die Schule als Ganzes erfasst. Er betrifft nicht bloss die unmittelbare Lernumgebung im Klassenzimmer, sondern umfasst die gesamte Lernzeit und wirkt so auch auf die Lernräume zurück. Lehrmittel und damit verknüpfte Lerninhalte, Lernerfolge und Lernwege können individueller und vor allem transparenter gestaltet werden, was für Lernende und Lehrende neben vielen Vorteilen auch neue Rollenverständnisse mit sich bringt.

Ein Pilotprojekt für die Europaallee
Mit dem Bezug des neuen Schulgebäudes an der Lagerstrasse 102 wird der Einsatz neuer Medien in jedem Klassenraum möglich sein. In diversen SCHILF-Veranstaltungen konnten sich unsere Lehrpersonen bereits davon überzeugen. Doch die Verfügbarkeit dieser Hilfsmittel ist nur ein Teil eines umfassenden Konzepts zur generellen Steigerung der Unterrichtsqualität in einem an der Juventus Schule für Medizin gestarteten Pilotprojekt zur Entwicklung eigener elektronischer Lehrmittel. Gepaart mit einem jeweils dazu konfektionierten Übungs- und Prüfungsumfeld ist dies gegenwärtig das wohl ambitionierteste Projekt der Juventus Schulen.

Ballastfreies 2022
Ab dem Jahr 2022 sollen wesentliche Inhalte aus dem Pilotprojekt in allen vier Juventus Schulen funktionell sein. In einem Interview mit Projektleiter und Rektor Juventus Schule für Medizin Richard Münger geht klar hervor, dass nicht an eine radikale Änderung des Unterrichts an sich und auch nicht eine totale Individualisierung des Lernens gedacht wird. Im Gegenteil: Die Vorteile kooperativen Lernens gegenüber individualisierten Lernsituationen sollen dank dem Abwerfen unnötigen Ballastes während der Unterrichtslektionen sogar intensiver genutzt werden.

Der Weg zum Lernerfolg
Dass Übungen und Wiederholungen für den Lernerfolg notwendig sind, wurde durch zahlreiche Studien bestätigt. Mit ortsunabhängig zugänglichen und auf die Lehrmittel abgestimmten Übungen wird eine Fülle zusätzlicher Übungsgelegenheiten ausserhalb der Lektionen geboten, was einerseits den Unterricht entlastet und sich andererseits positiv auf den Lernerfolg auswirkt. Indem Lehrpersonen durch die Hilfsmittel in der Lage sind, Lernprozesse individualisiert zu begleiten und zu bewerten, können sie mit Verweis auf die im Tool vorhandenen Lösungswege und Erklärungen ihre Unterrichtszeit nutzbringender einsetzen, beispielsweise mit mehr Zeit für kooperative Lernarrangements oder die individuellen Bedürfnisse der Lernenden.

Kooperatives Lernen als emanzipatives Instrument
Bekanntlich ist kooperatives Lernen dann besonders erfolgreich, wenn jedes Gruppenmitglied mehr Selbstverantwortung zu übernehmen weiss sowie über verbesserte Kommunikations- und Argumentationsfähigkeiten verfügt. Vollumfänglich zum Tragen kommen wird die Entlastung im Unterricht, wenn genügend Lehrmittel mit begleitenden Übungsserien und Lernkontrollen über alle Geschäftsbereiche hinweg verfügbar sind.

Die Herausforderungen der Transparenz
Bis dahin sind für die Schulleitungen, die Fachgruppen und für alle Lehrpersonen noch einige Herausforderungen zu bewältigen – positive und befriedigende Herausforderungen. Denn es gilt, Bedürfnisse und Interessen von Schule und Lernenden nicht einfach entgegenzunehmen, sondern sie aktiv mitzugestalten. Der Weg zur Leistung wird zwar transparenter sein, als er es gegenwärtig ist, wir wollen aber keine «gläsernen Schülerinnen und Schüler». Vielmehr möchten wir Schüler mit mehr Selbstverantwortung für die Lernleistung, mehr Glaubwürdigkeit, Praxisbezug und Abwechslung im Unterricht sowie natürlich auch noch grösseren Lernerfolg der Lernenden und damit eine noch grössere Attraktivität unserer Schule.

Ralph Schlaepfer
Leiter Qualitätsentwicklung und Schulleiter Wirtschaftsgymnasium und Vorbereitungsschulen